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Neben Steuerersparnissen bietet die berufliche Vorsorge Unternehmerinnen und Unternehmern noch andere Gestaltungsmöglichkeiten. Bei allen Varianten ist es wichtig, dass sie zum Unternehmen passen und auf die Bedürfnisse der Mitarbeitenden zugeschnitten sind. In unserem Artikel zeigen wir, was das heisst und worauf zu achten ist.

Viele Unternehmen ziehen am Jahresende Bilanz und prüfen Optimierungsmöglichkeiten. Gemäss unserer Erfahrung bietet die berufliche Vorsorge sowohl für Unternehmen als auch für Unternehmerinnen und Unternehmer in vielerlei Hinsicht grosses Potenzial. Häufig bietet die Vorsorge ein beträchtliches Steuersparpotenzial. Nicht weniger wichtig ist aber auch, dass im Hinblick auf die Pensionierung genügend Vorsorgekapital vorhanden ist und eine gute Risikodeckung massgeschneidert auf die persönlichen Verhältnisse besteht.

Steuern sparen mit der 2. Säule
Ein Einkauf in die 2. Säule ist ein sehr effektives Mittel, um Steuern zu sparen, da er das steuerbare Einkommen reduziert. Die maximale Höhe des möglichen Einkaufs ist individuell, die Angabe dazu findet sich auf dem Vorsorgeausweis. Gerade bei Unternehmern ist das Einkaufspotenzial oft beträchtlich, da der Lohn über die Jahre angestiegen ist. So ermöglicht ein Einkauf die Schliessung von Lücken der vergangenen Jahre. Zudem kann mit einem gestaffelten Einkauf über mehrere Jahre die Steuerprogression gebrochen werden.

Wichtig ist aber zu beachten, dass das in die 2. Säule einbezahlte Geld bis zur Pensionierung blockiert ist. Vorbezüge sind nur für den Kauf von selbst bewohntem Wohneigentum, die Aufnahme einer selbständigen Erwerbstätigkeit oder beim Wegzug ins Ausland möglich. Nach einem Einkauf gilt für Bezüge eine dreijährige Sperrfrist, daher ist es kurz vor der Pension auch nicht mehr möglich, sich einzukaufen. Bei einer Scheidung werden die Vorsorgegelder – inklusive der Einkäufe – geteilt. Von Bedeutung ist zudem, was mit den Einkäufen im Falle eines vorzeitigen Todes oder einer Invalidität geschieht. Dies hängt von den Bestimmungen der Vorsorgelösung des Unternehmens ab. In manchen Fällen ist der Einkauf verloren, bei anderen Vorsorgelösungen erhöht er die Leistungen oder wird als Kapital wieder ausbezahlt. Wichtig: Wer noch im Jahr 2022 von einem Einkauf in die 2. Säule Gebrauch machen möchte, muss die Einzahlung bis Jahresende tätigen.

Vor­sor­ge­ka­pital und Ri­si­ko­deckung
Der Aufbau von ausreichend Vorsorgekapital im Hinblick auf die Pensionierung ist ein langfristiger Prozess. Es ist daher empfehlenswert, sich frühzeitig dazu Gedanken zu machen und mit dem Sparen zu beginnen. Das BVG definiert nur ein Minimum an Leistungen, die eigene Vorsorgelösung kann bessere Leistungen vorsehen. Nach BVG-Minimum ist aktuell zum Beispiel lediglich ein Jahreslohn von maximal 86’040 Franken versichert. Die Bedürfnisse und Interessen der Mitarbeitenden in Bezug auf die berufliche Vorsorge sind so verschieden wie ihre persönlichen und familiären Verhältnisse. Aufgrund unserer Erfahrung empfiehlt es sich daher für Unternehmen, mehrere Vorsorgepläne anzubieten, zum Beispiel ganz klassisch mit einer Basis- und einer Kadervorsorgelösung. Es gibt aber auch Modelle, bei denen der Mitarbeitende individuelle Wahlmöglichkeiten hat.

Vor­sor­ge­lösung kann Ar­beit­ge­be­rat­trak­ti­vität steigern
Eine attraktive Vorsorgelösung ist für ein Unternehmen ein wichtiges Instrument, um im Arbeitsmarkt attraktiv zu sein. Gerade bei älteren Mitarbeitenden kann eine unattraktive Lösung beim Stellenwechsel ein Killerkriterium sein. Zudem erhöht eine freiwillig bessere Versicherungslösung das Einkaufspotenzial und eröffnet neue Möglichkeiten, Steuern zu sparen. Die Gestaltungsmöglichkeiten in der 2. Säule sind gross. Wir können daher jedem Unternehmer nur empfehlen, die firmeneigene Vorsorgelösung zu analysieren und zu hinterfragen. Zudem sollten sich alle Mitarbeitenden über die persönliche Vorsorgesituation im Klaren sein. Eine Analyse der persönlichen Leistungen, die eine koordinierte Betrachtung aller drei Säulen beinhaltet, ist dazu notwendig.

Op­ti­mie­rungs­mög­lich­keiten beim Ver­si­che­rungs­an­schluss
Heute verfügen die meisten Unternehmen über keine eigene Pensionskasse, sondern sind bei einer Sammelstiftung angeschlossen. Gemäss unserer Erfahrung lohnt es sich nach einer gewissen Zeit, die Konditionen zu überprüfen und allenfalls durch den Versicherungsbroker Offerten einzuholen. Sparpotenzial ergibt sich insbesondere bei den Risikoprämien: Zudem stellt sich die Frage, ob eine Vollversicherungslösung angestrebt wird oder das Unternehmen bereit ist, einen Teil des Risikos mitzutragen. Eine Grundsatzfrage, die in Anbetracht der bisher im Jahr 2022 an den Finanzmärkten entstandenen Verluste wieder aktuell wird. Gemäss UBS haben die Pensionskassen 2022 bis Ende September im Durchschnitt eine negative Rendite von ca. minus 11 Prozent erwirtschaftet. Wird ein Teil des Risikos selbst getragen, ist der Deckungsgrad der Pensionskasse wieder von Bedeutung.

Fazit
Die berufliche Vorsorge bietet Unternehmen und Unternehmern eine Vielzahl von Gestaltungsmöglichkeiten. Wir empfehlen Ihnen daher, Ihre Vorsorgelösung im Unternehmen unter die Lupe zu nehmen. Oft besteht ein beträchtliches Steuersparpotenzial für Sie und Ihre Mitarbeitenden. Sorgen Sie zudem frühzeitig dafür, dass im Hinblick auf die Pensionierung ausreichend Vorsorgekapital angespart wird und Sie und Ihre Angehörigen im Todesfall oder bei einer Invalidität finanziell gut abgesichert sind. (OBT)