Das Zeitalter der künstlichen Intelligenz ist längst angebrochen und schreitet mit unfassbarer Geschwindigkeit voran. Bereits jetzt zeigen uns KI-Modelle, was schon alles möglich ist. Die Frage ist nicht mehr, was KI kann, sondern eher, was sie nicht kann. Sie könnte die Art, wie Menschen arbeiten, lernen und miteinander kommunizieren, grundlegend verändern und besitzt das Potenzial, ganze Branchen auf den Kopf zu stellen. Trotz oder gerade wegen der endlosen Möglichkeiten von künstlicher Intelligenz entwickelt sich eine grosse Angst vor der disruptiven Wirkung, die sich entfalten könnte. Eine Sache ist jedoch klar: Unternehmen müssen auf das KI-Zeitalter vorbereitet sein.

Führungskräfte von heute müssen einerseits eine Vision für ihr Unternehmen entwerfen, mit der die Chancen von KI genutzt werden können, und andererseits mögliche Disruptionen steuern. Sind sie diesen Herausforderungen gewachsen? Um diese Frage zu beantworten, haben Kearney und Egon Zehnder 100 Führungskräfte aus vier verschiedenen Ländern und sechs Industrien befragt, wie gut sie sich auf eine KI-Zukunft vorbereitet fühlen. Die Ergebnisse zeigen, wie Führungsetagen die Auswirkungen künstlicher Intelligenz auf ihr Unternehmen und ihre Rolle einschätzen – und wie vorbereitet sie sich dafür fühlen.

Führungskräfte glauben zwar, dass für die Organisation grosse Veränderungen bevorstehen, ihre Funktionen aber mehr oder weniger gleich bleiben. 70 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass ihr Unternehmen in den nächsten fünf Jahren mit Umbrüchen durch KI zu kämpfen haben wird. Wenn es jedoch um die eigene Position geht, sehen weniger Führungskräfte eine Bedrohung. Lediglich 43 Prozent betrachten KI als eine Disruption für ihre Funktion, während zwei Drittel keine Veränderung erwarten.

SEHEN MEHR CHANCEN ALS RISIKEN
Trotz der vermuteten Disruption schauen Führungsetagen mit gespanntem Blick auf die Möglichkeiten, die sich durch die Nutzung von KI eröffnen. Über 90 Prozent der Befragten sehen in künstlicher Intelligenz mehr Chance als Risiko. Der Aussage, dass KI eine Chance für die Verbesserung eigener Fähigkeiten darstellt, stimmten 85 Prozent der Führungskräfte zu. Eine grosse Chance für die eigene Funktion wie auch für die Organisation sehen die Befragten in der gesteigerten Effizienz, die durch KI möglich wird. Nahezu zwei Drittel sehen dies als Chance sowohl für ihre Funktion als auch für ihr Unternehmen. Andere Möglichkeiten sehen Führungskräfte in der Entscheidungsfindung, im verbesserten Risiko-Management und in der Innovation neuer Produkte und Dienstleistungen.

«KI wird gross sein und alles beeinflussen!»
– Lior Ron, Uber Freight

FÜHRUNGSKRÄFTE GLAUBEN, IHRE UNTERNEHMEN SEIEN NICHT GUT GENUG VORBEREITET
Haben Führungskräfte also das Gefühl, dass sie und ihre Unternehmen bereit sind, die Herausforderungen zu bewältigen und gleichzeitig die Chancen von künstlicher Intelligenz zu nutzen? Lediglich 20 Prozent der Befragten stimmten zu, dass ihr Unternehmen die nötige Fähigkeit besitzt, um mit den erwarteten KI-Disruptionen in den nächsten fünf Jahren zurechtzukommen. Allgemein halten sich Führungskräfte besser auf die Veränderungen vorbereitet als ihre Organisationen, jedoch stimmten auch nur 41 Prozent zu, dass sie die notwendigen Fähigkeiten in ihrer Funktion besitzen.

KI-VERSTÄNDNIS IST ESSENZIELL, DAMIT SICH FÜHRUNGSKRÄFTE VORBEREITET FÜHLEN
Die Führungskräfte, die ihr Unternehmen als vorbereitet empfinden, denken, dass vor allem ihr eigenes KI-Verständnis entscheidend für die Vorbereitung ist. Der Aussage, dass das Verständnis für KI das entscheidende Element der Vorbereitung ist, stimmten fast 90 Prozent zu. Weitere wichtige Elemente beziehen sich auf die Verfügbarkeit ausreichender Ressourcen (Geld, Zeit und Personal) und auf die Etablierung einer unterstützenden Unternehmenskultur. Die Auswertung ergab eine Zustimmung von 70 beziehungsweise 74 Prozent.

FEHLENDE RESSOURCEN FÜHREN ZU FEHLENDER VORBEREITUNG
Drei Viertel der Führungskräfte, die glauben, ihre Organisation sei unvorbereitet für den Wandel, gaben an, dass wichtige Ressourcen, die für eine Umstellung notwendig wären, fehlen. Das Verständnis der Führungsetage ist jedoch auch hier entscheidend für die Vorbereitung. So ergab die Auswertung eine Zustimmung von über 50 Prozent.

«Unternehmen und CEOs sind noch nicht bereit für KI, da die Auswirkungen noch nicht in vollem Umfang verstanden werden.»
– Bill Anderson, Bayer AG

EINE STRATEGIE ZU ENTWICKELN IST ENTSCHEIDEND, UM DAS UNTERNEHMEN VORZUBEREITEN
Angesichts der Wichtigkeit einer guten Führung für die Herausforderungen, die KI mit sich bringen könnte, ist es nicht verwunderlich, dass Führungskräfte bereits jetzt an Massnahmen zur Vorbereitung arbeiten. Im Vordergrund dieser Massnahmen steht das Entwickeln einer Strategie – mehr als drei Viertel der Befragten arbeiten bereits an diesem Schritt. Allerdings ist das allein nicht genug. Lediglich 14 Prozent geben an, nur an einer Strategie zu arbeiten. Der Grossteil der Befragten ergreift weitere Massnahmen wie Investitionen in die Infrastruktur (49 Prozent), Aufbau von externen Partnerschaften (44 Prozent) und Expertenrekrutierung (39 Prozent).

Obwohl KI ein grosses disruptives Potenzial besitzt, könnten die Möglichkeiten durch sie noch grösser sein. Die Investitionen in KI von Unternehmen allein sind im letzten Jahrzehnt um das Dreizehnfache angestiegen. Unternehmen sind bereit, die Risiken einzugehen und die Möglichkeiten auszuschöpfen. Allerdings ist die Haltung «business as usual» nicht ausreichend, um ein sicheres Wachstum im Zeitalter der KI zu garantieren. Ein grundsätzlicher Wandel und eine stärkere kulturelle Entwicklung sind entscheidend – und allem voran steht das Leadership. Auch wenn die Funktion von Führungskräften nicht unbedingt auf einer Day-to-day-Basis betroffen ist, wird es dennoch grosse Veränderungen
für die Operationen von Unternehmen geben. Dabei steht das Leadership im Vordergrund, das gewährleisten muss, dass die Organisation gut vorbereitet ist. «In Zeiten von Veränderung ist gute Führung essenziell – ob Entscheidungsträger als Vorbilder in der KI-Transformation agieren, wird ein wesentlicher Faktor sein. Nur so können Unternehmen zukünftig künstliche Intelligenz gewinnbringend für ihre Wertschöpfung nutzen», sagt Dr. Mirko Warschun, Partner bei Kearney und Mitglied des europäischen Leadership-Teams. Unternehmenslenker sollten mutig und strategisch handeln, um die Bereitschaft der Beschäftigten, sich an die sich verändernden Umstände anzupassen, zu steigern.
Um dies zu erreichen, benötigen sie ein tiefes Verständnis der aktuellen Marktfähigkeiten und möglicher Fähigkeitslücken bei sich selbst und in ihrem Unternehmen.

Weitere Informationen:
www.kearney.com
www.egonzehnder.com